Geschichte und Entwicklung einer weltweiten Kampagne

Kaum ein Sinnesorgan ist für uns Menschen so überlebenswichtig, wie die Augen: Stellen wir uns vor, wir würden in Lehmhütten wohnen, müssten jeden Tag um unsere ohnehin kärglich bemessene Nahrung fürchten und hätten kaum Wasser zum trinken. Eine Geschichte aus dem Mittelalter? - Nein: Viele Menschen in afrikanischen Ländern kennen kein anderes Leben. Stellen wir uns nun vor, wir wären zudem blind!

Weltweit 37 Millionen Menschen blind
Das fatale ist, dass die meisten blinden und sehbehinderten Menschen sich nicht oder nicht mehr aktiv am Leben ihrer Familie beteiligen können und nicht selten verhungern müssen. Dagegen kann man etwas tun, denn von den weltweit rund 37 Millionen Blinden ist jeder zweite starblind und somit heilbar. VISION 2020 ist eine vielversprechende Antwort auf diese Herausforderung.

Geschichte von VISION 2020Im Mai 1994, wurde die "Projektgruppe zur Verhütung von Blindheit" ("Task Force for Prevention of Blindness") in Berlin gegründet. Fünf Jahre später, im Februar 1999, wurde die weltweite Kampagne "VISION 2020 The Right to Sight" (Das Recht auf Augenlicht) in Genf von Dr. Gro Harlem Brundtland, Generaldirektorin der WHO, offiziell vorgestellt.

Die 70er
Mitte der 70er Jahre machte u.a. Sir John Wilson die Öffentlichkeit auf das weltweit bestehende Problem der Blindheit aufmerksam. Dies führte zur Initiierung des Programms "Prevention of Blindness" der Weltgesundheitsorganisation (WHO/PBL) und zur Gründung der "International Agency for Prevention of Blindness" (IAPB).

Die 80er
Anfang der 80er Jahre begann eine kleine Gruppe nicht-staatlicher Entwicklungsorganisationen aus dem Bereich der Augenheilkunde damit, im Rahmen informeller Konferenzen als Partnerschaftskommittee mit dem WHO/PBL-Programm zusammenzuarbeiten. Diese Gruppe vergrößerte sich bis heute auf rund 40 Organisationen, die sich jährlich zum Informationsaustausch und zur Diskussion von Prioritäten bei der Blindheitsverhütung und anderen Themen der Augenheilkunde sowie zur Aufklärung und Rehabilitation von Blinden und sehbehinderten Menschen treffen.

Die 90er
Zur Formalisierung der Kooperation zwischen WHO/PBL und den internationalen nicht-staatlichen Entwicklungsorganisationen wurde ein aus zehn nicht-staatlichen Entwicklungsorganisationen gewähltes Gremium, die so genannte Beratergruppe, aus dem Partnerschaftskommittee gewählt. In den 80-er Jahren und Anfang der 90er Jahre traf sich diese Beratergruppe alle zwei Jahre mit WHO/PBL. Dieses Gremium leistete wichtige Beiträge für Strategien zur Blindheitsverhütung. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen war jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel eingeschränkt.

Anlässlich der fünften Hauptversammlung der IAPB in Berlin wurde die Task Force for Prevention of Blindness gegründet, die die Beratergruppe ersetzt hat. In den Folgejahren bestand diese Gruppe aus einer zunehmenden Anzahl von nicht-staatlichen Entwicklungsorganisationen, die sich rund dreimal jährlich mit IAPB und der Weltgesundheitsorganisation WHO trafen und Berichte für das Partnerschaftskommittee erstellten.

Jede nicht-staatliche Entwicklungsorganisation leistete als Mitgliedsbeitrag US$ 25.000 pro Jahr, um gemeinsame Aktivitäten mit der Weltgesundheitsorganisation WHO und eine weltweite Initiative zur Vermeidung vermeidbarer Blindheit planen und umsetzen zu können: "VISION 2020 - The Right to Sight" wurde initiiert. 1997 wurde die Task Force in eine IAPB Task Force umgewandelt, um VISION 2020 als gemeinsames Programm von IAPB und WHO präsentieren zu können, was schließlich 1999 im Februar offiziell geschah.

Wichtigste Entwicklungsschritte05/1994:
CBM und SSI gründeten in Kooperation mit IAPB und WHO eine "Task Force for Prevention of Blindness" unter Vorsitz von C. Garms, Executive Director CBM, um gemeinsame Aktivitäten nicht-staatlicher Entwicklungsorganisationen mit der WHO zu initiieren und zu finanzieren.

09/1995:
Auf der Grundlage einer PR-Idee von A. Harkey, President von CBMI-USA, entwickelten C. Garms und Prof. Foster (Medizinischer Direktor von CBM) unter der Bezeichnung "Perfect vision 20/20 for everyone in the year 2020" ein globales Blindheitsverhütungsprogramm.

11/1995:
In Gesprächen mit Dr. Thylefors, Programmdirektor der WHO/PBD wurde vereinbart, dass die Task Force die Idee einer weltweiten Initiative weiter verfolgen sollte.

06/1996:
Die WHO veranstaltete einen Experten-Workshop zum Thema Erblindungsprävention. Das Ergebnis war ein erster Entwurf des Dokuments "Global initiative to eliminate avoidable blindness". Nach zahlreichen Meetings und Überarbeitungen lag eine endgültige Fassung des Dokuments der globalen Initiative vor.

02/1997:
Die Programmberatungsgruppe (PAG) des WHO überprüfte das Dokument und genehmigte eine überarbeitete Version. Das Partnerschaftskommittee der nicht-staatlichen Entwicklungsorganisationen nahm das Dokument an und die Task Force erhielt den Auftrag, eine weltweite Lobbykampagne zu entwickeln.

04/1997 – 09/1997:
Verschiedene Gruppen aus PR-Experten und Mitgliedern des Partnerschaftskommittees trafen sich mit der Task Force und vereinbarten schließlich die Initiierung einer weltweiten Kampagne zur Überwindung vermeidbarer Blindheit bis zum Jahr 2020.

09/1997 - 11/1998:
Name, Logo und Werbematerial von "VISION 2020 The Right to Sight" wurden entwickelt.

09/1998:
VISION 2020 wurde zu einem gemeinsamen Projekt von IAPB Task Force und WHO. Eine offizielle Vereinbarung wurde unterzeichnet.

02/1999:
Die weltweite Kampagne "VISION 2020 - The Right to Sight" wurde vom Generaldirektor der WHO in Genf offiziell vorgestellt.

09/1999:
Die Hauptversammlung der IAPB wurde in Peking, China, abgehalten. Hauptthema war die Kampagne "VISION 2020 - The Right to Sight". Die Arbeitssitzungen orientierten sich an den Prioritäten der Kampagne VISION 2020.

09/1999 – heute:
In den WHO/IAPB-Regionen wurden und werden regionale und nationale Seminare und Einführungsveranstaltungen organisiert, um das Bewusstsein für Blindheitsprävention zu stärken, nationale Pläne zur Erblindungsprävention zu entwickeln und Prioritätsprogramme aufzulegen.

02/2000:
Im Zusammenhang mit seiner ersten SightFirst-Kampagne hat die Lions Club International Foundation einen Welttag des Sehens (World Sight Day) eingeführt und jetzt die Zustimmung gegeben, diesen Welttag des Sehens in die Kampagne VISION 2020 zu integrieren.

11/2000:
Die Task Force wurde inzwischen voll in die IAPB-Struktur integriert. Es wurde entschieden, gemeinsame Treffen des Executive Committee der IAPB und der Task Force unter Vorsitz des President der IAPB durchzuführen.

05/2003:
Die WHO-Resolution zur Bekämpfung vermeidbarer Blindheit wurde von der World Health Assembly übernommen. Mit der Annahme dieses Dokuments wurde das starke Engagement der WHO-Mitgliedsländer bekräftigt, die Überwindung vermeidbarer Blindheit weltweit anzustreben.

10/2003:
Anlässlich des Welttags des Sehens hat Papst Johannes Paul II. die Kampagne "VISION 2020 - The Right to Sight" offiziell anerkannt und den weltweiten Kampf gegen die Blindheit gesegnet.


Von Anfang an mit dabei:
CBM-Direktor für die Überseearbeit, Christian Garms, bei einer Versammlung zum offiziellen Start eines landesweiten Programms zur Blindheitsverhütung in Afghanistan im Frühjahr 2004.

Status Quo
Heute besteht die Task Force aus 13 Mitgliedsorganisationen. Weitere elf Organisationen sind unterstützende Mitglieder von VISION 2020. In allen IAPB/WHO-Regionen haben offizielle Einführungsveranstaltungen von VISION 2020 stattgefunden und eine zunehmende Anzahl nationaler Programme zur Erblindungsprävention werden entwickelt und umgesetzt.

Christian Garms, CBM-Direktor: "Diese anhaltende Kooperation zwischen einer zunehmenden Anzahl verschiedener Gruppen und engagierter Personen sollte uns ermutigen, unsere Bemühungen in der Zukunft noch weiter zu verstärken. Das Recht auf Augenlicht für alle Menschen spielt eine wichtige Rolle in der Gestaltung unserer globalen Zukunft. Lassen Sie uns die Hände reichen im Kampf gegen vermeidbare Blindheit, um zu einer besseren Welt beizutragen - einer Welt, in der unsere Kinder und unsere Enkel das Leben genießen können.


(Quelle: www.Christoffel-Blindenmission.de)


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